IV-Präsident Knill: “Österreich ist nur für die Leistungsfähigen erschwinglich”

Ein Meilenstein für die Industrie: Österreichs neue Industriestrategie

Die Industriellenvereinigung (IV) hat die von der Bundesregierung vorgestellte Industriestrategie als einen wichtigen Fortschritt für den Wirtschaftsstandort Österreich gewertet. Diese Strategie umfasst insgesamt 117 Maßnahmen und legt somit erstmals einen umfassenden standortstrategischen Rahmen vor. Der Fokus liegt nun auf einer konsequenten und priorisierten Umsetzung dieser Maßnahmen, um den gewünschten Effekt zu erzielen.

Zielsetzung der Industriestrategie

Die Industriepolitik hat klare Ziele formuliert: Höhere Produktivität, gesteigerte Wettbewerbsfähigkeit, zusätzliche Investitionen, mehr Innovationen und eine stärkere Resilienz. IV-Präsident Georg Knill betont, dass eine erfolgreiche Strategie konkret messbare Ergebnisse liefern muss. Dazu ist es notwendig, die Ausgangslage klar zu definieren und die KPIs (Key Performance Indicators) in allen Bereichen zu standardisieren, um den Fortschritt transparent und nachvollziehbar zu machen.

Fortschrittsüberwachung durch das Industriestrategiebarometer

Um den Fortschritt der Implementierung zu verfolgen, hat die IV das Industriestrategiebarometer ins Leben gerufen. Dieses Instrument soll Verbindlichkeit schaffen und politische Verantwortung sichtbar machen. Bislang wurden bereits sieben Maßnahmen umgesetzt, darunter die Senkung der Elektrizitätsabgabe und Verbesserungen bei Mitarbeiterbeteiligungen für Start-ups. Knill hebt hervor, dass es wichtig sei, das Tempo zu erhöhen und die richtigen Prioritäten zu setzen.

Energiesituation und Wettbewerbsfähigkeit

In der aktuellen wirtschaftlichen Lage bleibt der Energiepreis ein zentraler Konkurrent für die Industrie. Knill warnt, dass ohne wettbewerbsfähige Energiepreise Investitionen verzögert und Produktionsstätten ins Ausland verlagert werden könnten. Daher fordert die IV eine zügige Notifizierung und Umsetzung der Strompreiskompensation sowie die Einführung eines wettbewerbsfähigen Industriestrompreises. Ein entsprechendes Konzept soll bis 2026 vorliegen, um den Unternehmen Planungssicherheit zu gewährleisten.

Arbeitskosten und Lohnnebenkosten

Österreich zählt zu den Hochkostenstandorten in Europa. IV-Präsident Knill macht deutlich, dass die Lohnnebenkosten erheblich über dem Niveau in Deutschland liegen. Eine Senkung dieser Kosten ist essenziell für die Wettbewerbsfähigkeit. Die IV drängt auf einen klaren Weg zur Reduzierung der Lohnnebenkosten, da diese direkten Einfluss auf Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit haben und in herausfordernden Zeiten eine wichtige Erleichterung für Unternehmen darstellen.

Entbürokratisierung als Schlüssel zu Wachstum

IV-Generalsekretär Christoph Neumayer hebt die große Bedeutung der Entbürokratisierung hervor. Jährlich kosten bürokratische Hürden Unternehmen rund 15 Milliarden Euro und binden damit Ressourcen, die für Innovation und Wachstum nötig wären. Daher fordert die IV die praxisnahe Umsetzung von EU-Vorgaben ohne zusätzliche nationale Belastungen. Darüber hinaus ist eine umfassende nationale Entbürokratisierung durch die Umsetzung bestehender Pakete erforderlich.

Priorisierung der Maßnahmen

Angesichts der Vielzahl an Maßnahmen ist es entscheidend, klare Prioritäten zu setzen. In der aktuellen konjunkturellen Lage ist es unerlässlich, sich auf die Maßnahmen mit dem größten wirtschaftlichen Hebel zu konzentrieren. Knill betont, dass jetzt entschlossen gehandelt und die richtigen Prioritäten gesetzt werden müssen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in Österreich zu sichern.

Die Informationen stammen aus dem Industriemagazin.

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