Konjunktur: Zu schleppend, zu kostspielig, zu lahm: Warum Deutschland und Österreich jetzt handeln sollten

Die Herausforderungen der europäischen Wirtschaft: Ein Blick auf Deutschland und Österreich

In den letzten Jahren haben die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Europa eine besorgniserregende Stagnation erleben müssen. Gabriel Felbermayr, Direktor des WIFO und Mitglied im Sachverständigenrat der deutschen Bundesregierung, hat kürzlich auf die anhaltenden Probleme hingewiesen, die vor allem Deutschland und Österreich betreffen. In seinen Ausführungen wird deutlich, dass diese Herausforderungen nicht ausschließlich auf globale Entwicklungen zurückzuführen sind, sondern vielmehr in den inneren Strukturen der beiden Länder liegen.

Stagnation in Deutschland und Österreich

Felbermayr betont, dass Deutschland seit 2019 in einer Phase der Stagnation ist – bereits das siebte Jahr in Folge. Österreich schneidet nur marginal besser ab. Diese Situation wirft die fundamentale Frage auf, weshalb beide Länder aus der dynamischen Weltwirtschaft, die aktuell stark wächst, so wenig Nutzen ziehen können. Die Antwort führt zu einer Selbstanalyse: Die Probleme sind hausgemacht und liegen in den Standortbedingungen, die Europa selbst beeinflussen kann und sollte.

Verwundbarkeit von Lieferketten und Energie

Ein zentraler Punkt in Felbermayrs Analyse ist die neue Verwundbarkeit sowohl bei Lieferketten als auch im Energiesektor. Die Situation hat sich drastisch verändert, insbesondere angesichts der Rückgänge bei den Transitsvolumina in strategisch wichtigen Handelsrouten wie der Straße von Hormus. Der Druck auf die europäische Wirtschaft wächst täglich, und die negativen Erfahrungen aus den Jahren 2021 und 2022 sind noch in frischer Erinnerung: Produktionsunterbrechungen und ansteigende Preise für Endverbraucher sind nur einige der Folgen, die sich aus dieser Krise ergeben haben.

Der Energieschock und seine Folgen

Ein weiterer kritischer Aspekt ist der aktuelle Energieschock, der von Felbermayr als „heftig“ bezeichnet wird. In kürzester Zeit sind die Rohölpreise um beeindruckende 60 Prozent gestiegen. Hierbei ist der Unterschied zwischen den USA und Europa erheblich. Während die Gaspreise in den USA stabil bleiben, schlagen sich die volatilen Energiepreise in Europa direkt in den Kosten nieder. Diese Entwicklung bereitet Sorgen, insbesondere vor dem Hintergrund der engen Verbindung zwischen Strom- und Gaspreisen, die in Deutschland und Österreich zu spüren ist.

Handelspolitische Spannungen

Zusätzlich zu diesen Herausforderungen gehört auch eine angespannte handelspolitische Lage auf die Liste der Problempunkte. Felbermayr verweist auf die hohe Zollbelastung für Exporte in die USA und nennt spezifische Zahlen: Die Effektive Zollbelastung in der EU liegt im Durchschnitt bei 8,2 Prozent, während Österreich und Deutschland deutlich höhere Raten aufweisen. Diese Situation erfordert es dringend, die handelspolitischen Spannungen mit den USA zu entschärfen, um die Exporte zu erleichtern und wirtschaftliche Impulse zu gewinnen.

Fundamentale Probleme in der Industrie

Felbermayr lenkt den Blick schließlich auf das tiefere Problem: Eine seit 2018 anhaltende Industrierezession in Deutschland und die kurzfristigen Einbrüche in Österreich ab 2023. Obwohl es erste Stabilisierungstendenzen geben könnte, bleibt die Gesamtlage fragil. Die Reaktionen der Verbraucher spiegeln diese Unsicherheit wider, was in einem gesunkenen Vertrauen und steigenden Sparquoten resultiert. Diese Konsumschwäche könnte sich langfristig negativ auf die Wirtschaft auswirken.

Prognosen für die Zukunft

Für Österreich hat Felbermayr drei Szenarien entworfen. Im Hauptszenario wird ein Wachstum von 0,9 Prozent bis 2026 prognostiziert. In einem pessimistischeren Szenario wird lediglich eine stagnierende Wirtschaft mit einem geringfügigen Wachstum von 0,2 Prozent erwartet. Deutschland steht mit einem prognostizierten Wachstum von 0,6 Prozent im Basisszenario ebenfalls nicht viel besser da. Die dazugehörige Botschaft bleibt jedoch klar: Eine Rückkehr zu stabilem und kräftigem Wachstum ist gegenwärtig nicht in Sicht.

Notwendige Schritte zur Veränderung

Felbermayr hebt hervor, dass es hierfür Lösungen gäbe, die nur umgesetzt werden müssten. Der Binnenmarkt soll das zentrale Element der deutsch-österreichischen Zusammenarbeit sein. Nötig sei, „wieder mehr Markt zuzulassen“ und die politischen Reformen endlich anzustoßen. Dabei erkennt er auch die mentalen Blockaden, die diese Veränderungen behindern – dies sei ebenso ein Mentalitätsproblem.

Diese strukturellen und tiefgehenden Informationen verdeutlichen die Herausforderungen, vor denen Deutschland und Österreich stehen, und unterstreichen die Dringlichkeit, die eigenen Bedingungen für eine bessere wirtschaftliche Zukunft zu überprüfen und zu reformieren.

Quelle: Industriemagazin – Gabriel Felbermayr

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