Die aktuellen Entwicklungen auf dem globalen Markt verdeutlichen, dass die großen Konfliktlinien nicht mehr ausschließlich über einzelne Absatzmärkte verlaufen. Vielmehr haben sie inzwischen Lieferketten und Produktionsabläufe erfasst, was gerade für große Unternehmen wie die Knill-Gruppe von zentraler Bedeutung ist. Jüngst gab Rosendahl Nextrom, eine Tochtergesellschaft der Knill-Gruppe, die Übernahme der estnischen Windak-Gruppe bekannt. Diese Akquisition zeigt, wie strategische Unternehmensentscheidungen in einem zunehmend interdependenten globalen Markt getroffen werden.
Im Rahmen ihrer Expansion plant die Knill-Gruppe, insbesondere über Knill Energy, in den US-amerikanischen Markt zu wachsen. Fast ein Jahrzehnt lang hatte die Gruppe versucht, über Übernahmen Fuß zu fassen, allerdings haben sich potenzielle Partner als schwer erreichbar erwiesen. Daher wurde Plan B ins Leben gerufen: Ein eigener Aufbau des Marktes statt eines Kaufs. Laut Christian Knill ist dieser Schritt entscheidend, um in den USA nachhaltig operieren zu können.
Die USA bieten ein vielversprechendes Marktumfeld für Knills Portfolio, das Freileitungsarmaturen, Dämpfungssysteme und Verbindungstechnik umfasst. Ein wesentlicher Vorteil dieser Region ist der Zustand der Übertragungsleitungen, die in vielen Fällen älter sind als in Europa. Angesichts der erforderlichen Infrastrukturinvestitionen zur Modernisierung und dem Ausbau von erneuerbaren Energiequellen plant Knill, in einem Markt Fuß zu fassen, der traditionell stark lokal geprägt ist. Europäische Akteure spielen dabei eine untergeordnete Rolle.
Der Markteintritt soll über einen sogenannten Brownfield-Standort erfolgen, was bedeutet, dass ein bestehender Standort genutzt wird. Genaueres zu diesem Standort im Süden der USA hält Knill jedoch unter Verschluss, da noch Förderverhandlungen führen müssen. Der geplante Marktstart ist für Mitte 2027 vorgesehen und umfasst die Anpassung des Areals, den Kauf von Maschinen sowie die Rekrutierung von Personal. Die Genehmigungsprozesse in den USA bewertet Knill als positiv, was den schnellen Start der Aktivitäten begünstigt.
Bisher hat die Knill-Gruppe bereits einige US-Projekte von Österreich aus bedient, jedoch nur punktuell. Die lokale Präsenz wird nun als Schlüssel für den Erfolg angesehen. Die Zielvorgabe ist ambitioniert: Der mittelfristige Umsatz im US-Geschäft soll in den deutlich zweistelligen Millionenbereich steigen, während die Investitionen ebenfalls in dieser Größenordnung liegen sollen. Knill hebt hervor, dass die USA ein attraktives Preisniveau aufweisen, was die Marktetablierung zusätzlich erleichtert. Aufgrund strategischer Überlegungen ist zu erwarten, dass bei der Rekrutierung vor allem mexikanisches Personal in Betracht gezogen wird.
Trotz der internationalen Expansion bleibt Österreich für Knill ein zentraler Standort, insbesondere im Hinblick auf Know-how, Engineering und Fertigung. Er sieht jedoch auch die Herausforderung, dass die Kosten in Österreich an ihre Grenzen stoßen. Faktoren wie Energiekosten und steigende Rohmaterialpreise belasten die Wettbewerbsfähigkeit. Dennoch glaubt Knill, dass die Qualität der Mitarbeiter in Österreich noch immer ein Pluspunkt ist und somit einen Wettbewerbsvorteil bietet.
Interessanterweise investiert Knill auch in den Automobil- und Luftfahrtzulieferer Pankl, den er als „sehr, sehr gutes Unternehmen“ bezeichnet. Besonderes Augenmerk legt er auf die bestehende gute Marktposition und die erfahrenen Partner. Unter den Beteiligten befindet sich auch Stefan Pierer, dessen Pierer Industrie AG künftig einen Drittel des Unternehmens halten wird. Knill sieht in Pankl einen vielversprechenden Nischenplayer, besonders im Bereich Luftfahrt, und erwartet, dass das Closing bis Mitte des Jahres erfolgt.
Quelle: Industriemagazin