Die Kunststoffindustrie steht vor zahlreichen Herausforderungen, vor allem wenn es darum geht, neue Aufträge zu gewinnen. Die Betriebsleiter müssen sich den Veränderungen im Einkaufsverhalten anpassen, um im Wettbewerb bestehen zu können. In diesem Artikel erfahren Sie, warum viele Spritzgussbetriebe unter Auftragsmangel leiden, wie Einkäufer heute die richtigen Lieferanten finden und welche sieben konkreten Wege es gibt, um neue Kunststoffaufträge zu gewinnen.
Warum viele Spritzgussbetriebe zu wenig Aufträge haben
Die Zeiten, in denen Aufträge durch Kaltakquise oder Branchenverzeichnisse gewonnen wurden, sind vorbei. Viele Spritzgussbetriebe klagen über einen Mangel an Aufträgen. Der Hauptgrund liegt im veränderten Einkaufsverhalten der Industrieeinkäufer.
Früher waren telefonische Kaltakquise und Messebesuche gängige Methoden, um Kontakte zu knüpfen und neue Kunden zu gewinnen. Heute recherchieren Einkäufer jedoch hauptsächlich online. Sie suchen gezielt nach „Kunststoff Spritzguss Hersteller“ oder „Spritzguss Lohnfertigung Kunststoff“ und vergleichen Angebote schnell über verschiedene Plattformen. Diese raschen Vergleiche führen dazu, dass viele Spritzgussbetriebe von der Bildfläche verschwinden, wenn sie nicht auf diese Veränderungen reagieren.
Wie Einkäufer heute Spritzgusslieferanten finden
Der Prozess, den ein Einkäufer durchläuft, um einen Lieferanten zu finden, ist ein zentraler Punkt für Spritzgussbetriebe. Er beginnt mit den technischen Anforderungen, oft in Form von technischen Zeichnungen oder CAD-Daten. Hier sind die typischen Schritte, die man durchläuft:
- Technische Zeichnung oder CAD-Daten: Der Einkäufer hat oft konkrete Vorstellungen und benötigt eine passende Lösung.
- Recherche: Die Suche beginnt oft über Google oder spezialisierte Plattformen, um geeignete Lieferanten zu finden.
- Vergleich: Der Einkäufer betrachtet mehrere Spritzgussanbieter, um die besten Optionen zu finden.
- Anfragen: Anfragen werden oft gleichzeitig an mehrere Lieferanten gesendet.
- Entscheidung: Faktoren wie Preis, Lieferzeit und Werkzeugkosten spielen eine entscheidende Rolle für die Kaufentscheidung.
Für Spritzgussbetriebe ist es wichtig, sichtbar und ansprechend auf diesen Plattformen vertreten zu sein.
7 Wege, wie Spritzgussbetriebe neue Kunststoffaufträge gewinnen
1. Starke Online-Präsenz aufbauen
Eine starke Online-Präsenz ist heute unverzichtbar. Viele Einkäufer suchen nicht mehr auf Messen, sondern online nach Anbietern. Eine professionelle Website, die gut gebaute Landingpages für spezifische Kunststoffmaterialien enthält, steigert die Sichtbarkeit.
Praxisbeispiel: Ein mittelständisches Unternehmen investierte in die Überarbeitung seiner Website und optimierte die Inhalte für SEO. Dies führte in den folgenden Monaten zu einer Verdopplung der Anfragen.
Umsetzungsschritte:
- Website optimieren: Nutzen Sie aktuelle CMS (Content-Management-Systeme) für eine benutzerfreundliche Gestaltung.
- Landingpages erstellen für Materialien wie ABS, PA, PP.
- Inhalte regelmäßig aktualisieren.
Praktischer Tipp: Achten Sie darauf, dass Ihre Website mobilfreundlich ist.
2. Preisvergleiche nutzen
Einkäufer nutzen Plattformen, um Preise schnell zu vergleichen. Nutzen Sie diese Tatsache, um transparent und wettbewerbsfähig zu sein.zeigen Sie Ihre Preise und Services klar und zugänglich an.
Praxisbeispiel: Ein Unternehmen stellte einen Preisvergleich auf seiner Website zur Verfügung. Dies führte zu erhöhter Interessensbekundung und Aufträgen.
Umsetzungsschritte:
- Preislisten öffentlich einsehbar machen.
- Prozentsätze für Großaufträge klar kommunizieren.
- Anreize, wie Rabatte für Erstanfragen, anbieten.
Praktischer Tipp: Verwenden Sie Vergleichsgraphiken für verschiedene Materialkosten.
3. Nutzung von B2B-Marktplätzen
Die Mitgliedschaft in B2B-Marktplätzen wie Price4Parts kann den Zugang zu neuen Kunden erheblich verbessern. Hier können Sie Ihre Maschinenkapazitäten sichtbar machen und neue Aufträge erhalten.
Praxisbeispiel: Ein Spritzgussbetrieb meldete sich bei Price4Parts an und konnte binnen kurzer Zeit internationale Aufträge generieren, ohne klassische Kaltakquise.
Umsetzungsschritte:
- Profil auf Price4Parts erstellen und ausfüllen.
- Maschinen und Produktionskapazitäten detailliert beschreiben.
- Angebote und Turnaround-Zeiten für Projekte transparent darstellen.
Praktischer Tipp: Aktiv Rückmeldungen zu erhalten, um Ihr Profil stetig zu verbessern.
4. Schnelle Angebotsprozesse implementieren
Einkäufer wollen schnelle Antworten. Ein effizienter Prozess zur Angebotserstellung kann Ihnen helfen, den Zuschlag für ein Projekt zu gewinnen.
Praxisbeispiel: Ein Betrieb automatisierte seinen Angebotsprozess und konnte die Bearbeitungszeit für Anfragen von mehreren Tagen auf Stunden verkürzen.
Umsetzungsschritte:
- Angebotssoftware implementieren oder anpassen.
- Vorlagen für häufige Anfragen erstellen.
- Klare interne Prozessschritte festlegen.
Praktischer Tipp: Halten Sie ein standardisiertes Antwortformat bereit, um die Effizienz zu steigern.
5. Spezialisierung auf Nischenmärkte
Sich auf spezifische Branchen zu konzentrieren, in denen Sie Expertise haben, kann neue Aufträge anziehen. Sektoren wie Medizintechnik oder Automotive erfordern oft spezielle Kenntnisse.
Praxisbeispiel: Ein Spritzgussbetrieb spezialisierte sich auf die Luftfahrtindustrie und konnte aufgrund seiner Zertifizierungen höhere Aufträge generieren.
Umsetzungsschritte:
- Zertifizierungen in spezifischen Bereichen anstreben.
- Inhalte erstellen, die Ihre Expertise in diesen Bereichen zeigen.
- Teilnahme an branchenspezifischen Messen und Konferenzen.
Praktischer Tipp: Verwenden Sie Fallstudien aus Ihrer Nische, um Ihre Kompetenz zu demonstrieren.
6. Kooperationen mit anderen Kunststoffverarbeitern
Kooperationen können helfen, größere Aufträge zu gewinnen und Kapazitäten besser auszuschöpfen. Strategische Allianzen mit anderen Fertigungsbetrieben können Synergien schaffen.
Praxisbeispiel: Zwei Spritzgussunternehmen kooperierten, um einen Großauftrag zu stemmen, den keiner alleine hätte übernehmen können.
Umsetzungsschritte:
- Netzwerkveranstaltungen besuchen, um potenzielle Partner zu finden.
- Verträge für gemeinsame Aufträge aufsetzen.
- Ressourcen und Maschinen rechtzeitig planen.
Praktischer Tipp: Klare Kommunikationskanäle etablieren, um Missverständnisse zu vermeiden.
7. Social Media gezielt nutzen
Social Media ist ein hervorragendes Werkzeug, um Sichtbarkeit zu erzeugen und direkt mit Interessenten in Kontakt zu treten.
Praxisbeispiel: Ein Spritzgussbetrieb nutzte LinkedIn, um seine Projekte und Neuigkeiten zu teilen. Dies führte zu einer erhöhten Anzahl von Anfragen.
Umsetzungsschritte:
- Erstellen Sie Unternehmensprofile auf LinkedIn, Facebook und Instagram.
- Wöchentliche Updates über Projekte und Erfolge posten.
- Mit Followern aktiv kommunizieren und Fragen beantworten.
Praktischer Tipp: Nutzen Sie visuelle Inhalte, um Ihre Produkte ansprechend darzustellen.
Weiterführende Gedanken
Die Gewinnung von neuen Aufträgen in der Kunststoffindustrie erfordert flexibles Denken und die Bereitschaft, sich an neue Gegebenheiten anzupassen. Ein klar strukturierter Online-Auftritt, starke Angebote und die Nutzung moderner Technologien sind unerlässlich. Die Zukunft liegt in der Sichtbarkeit und der Fähigkeit, sich an die Bedürfnisse der Einkäufer zu orientieren. Gleichzeitig sollten Sie die Möglichkeiten für internationale Projekte und Kooperationen nutzen, um Ihre Kapazitäten voll auszuschöpfen.
In dieser dynamischen Branche wird nur derjenige erfolgreich sein, der proaktiv agiert und die Bedürfnisse seiner Kunden versteht.