Airbus und die Herausforderungen in der Eurofighter-Produktion
Die Rüstungsindustrie steht vor zahlreichen Herausforderungen, insbesondere bei der Produktion hochkomplexer Systeme wie dem Eurofighter. Der Druck, die Produktion hochzufahren, ist enorm. Ein zentraler Aspekt ist dabei das Produktionssystem selbst. Nach Jahren niedriger Auslastung muss Airbus nun schnell skalieren, ohne Qualität und Sicherheit zu gefährden. Die Anforderungen an das Personal sind hoch; die Rekrutierung und Ausbildung qualifizierter Mitarbeiter stellt eine große Hürde dar.
Personalqualifikation und Schulung
Ein zentraler Faktor in der Produktion ist das hochspezialisierte Personal. „Wir brauchen hochqualifiziertes Personal. Und da hilft uns heute auch keine KI – das ist in den Köpfen der Leute“, betont Freitas. Die erwartete Anlernzeit neuer Mitarbeiter ist erheblich, was die Produktionsgeschwindigkeit weiter verlangsamt. Gleichzeitig sucht Airbus nach Möglichkeiten, Fachkräfte aus anderen Industrien zu gewinnen, was bereits zu einem erfolgreichen Übernahmeprogramm von Mitarbeitern der Automobilindustrie, wie etwa von Audi in Ingolstadt, geführt hat. Diese Umstellungen sind jedoch nicht ohne Herausforderungen, da auch erfahrene Automobilarbeiter nicht sofort die notwendigen Fähigkeiten für die Aviation-Branche besitzen.
Komplexität der Lieferketten
Die Produktionskomplexität wird zusätzlich durch die Lieferketten beeinflusst. Im Eurofighter-Programm ist Airbus auf vergleichsweise kleine Stückzahlen und spezialisierte Zulieferer angewiesen. „Ein Großteil unserer Zulieferer ist Single Source“, erklärt Freitas, was bedeutet, dass für viele Komponenten nur ein Lieferant verfügbar ist. Diese Abhängigkeit stellt ein erhebliches Risiko dar, zumal eine Diversifizierung der Zulieferer nur schwer möglich ist. Jede Änderung erfordert umfangreiche Zertifizierungen und Abstimmungen zwischen den beteiligten Nationen, was den Prozess weiter verkompliziert.
Technologische Modernisierung
Parallel zur Hochlaufphase modernisiert Airbus seine Fertigungsprozesse. Viele der bestehenden Anlagen stammen noch aus den frühen 2000er-Jahren und bedürfen dringend einer Auffrischung. Neue Technologien, wie digitale Werkzeuge, 3D-Vermessung von Bauteilen und Tracking-Systeme auf Basis von Low Energy Bluetooth, werden eingeführt, um Effizienz und Transparenz zu erhöhen. Tablets und digitale Modelle schaffen zusätzliche Möglichkeiten, doch im Mittelpunkt bleibt der Mensch. Das Erfahrungswissen der Mitarbeiter ist nach wie vor unverzichtbar.
Ständige Weiterentwicklung des Eurofighters
Ein weiteres komplexes Element der Produktion ist die ständige Weiterentwicklung des Eurofighters. Neue Systeme, Sensoren und Waffentechnologien müssen laufend integriert werden. „Was wir bauen, ändert sich ständig“, erklärt Freitas. Diese kontinuierlichen Anpassungen betreffen nicht nur die Software, sondern auch die Hardware und die Strukturkomponenten des Flugzeugs. Das stellt die Produktionsprozesse vor zusätzliche Herausforderungen, während gleichzeitig die Stückzahlen gesteigert werden müssen.
Zusammenarbeit auf europäischer Ebene
Trotz dieser Herausforderungen sieht Freitas das Eurofighter-Programm auf einem stabilen Fundament. Die europäische Zusammenarbeit habe sich bewährt, auch wenn sie komplex ist. „Wenn man überlegt hätte, ob man das so aufsetzen will, hätte es keiner getan. Und trotzdem funktioniert es“, sagt er. Diese Zusammenarbeit zahlt sich aus, da sie dazu beiträgt, die verschiedenen Nationen und Industriepartner zu integrieren und innovative Lösungen zu entwickeln.
Blick in die Zukunft
Darüber hinaus richtet Airbus bereits den Blick auf zukünftige Projekte, wie das Future Combat Air System. Hier arbeitet das Unternehmen an der nächsten Generation von Kampfflugzeugen, die vernetzt, digital und teilweise unbemannt sein werden. Trotz der Herausforderungen bleibt der Eurofighter jedoch das Rückgrat der europäischen Luftverteidigung. Die Fähigkeit, die Produktion hochzufahren, ist daher nicht nur eine industrielle, sondern auch eine strategische Aufgabe. Freitas sagt dazu: „Ich sehe jeden Tag, wie wir es können.“
Ein zentraler Meilenstein im aktuellen Hochlaufprogramm ist der geplante Testflug im März, bei dem ein Flugzeug aus der sogenannten „Quadriga“-Serie, nach mehrjähriger Produktionsunterbrechung, erstmals wieder in die Erprobungsphase geht.
Quelle: industriemagazin.at